orige Woche unterhielten wir uns mit Olaf Wolters vom Bundesverband Interaktive Unterhaltung über den Wechsel von der Games Convention in Leipzig hin zur Games Com in Köln. Darin erklärte Wolters den Standortwechsel vor allem damit, man wolle ein internationaleres Publikum erreichen. Das Vorhaben der Leipziger Messe, trotzdem auch 2009 eine Games Convention abzuhalten, hielt Wolters für eine emotionale Reaktion. Spätestens zu Anfang des kommenden Jahres müsse man dort aus betriebswirtschaftlicher Sicht einlenken und die GC absagen.
In dieser Woche kommt nun der ehemalige Partner des BIU zu Wort. Wolfgang Marzin, Geschäftsführer der Leipziger Messe, sprach mit uns über den drohenden Verlust der Messe, mögliche Konsequenzen, den Streit mit dem BIU und die Chancen eines Fortbestehens der GC in Leipzig.
Krawall.de: Fangen wir mal spiegelbildlich zu unserem Interview mit Olaf Wolters an: Fühlen Sie sich um die Früchte Ihrer Arbeit betrogen, nun da die Unternehmen des BIU zu einer „anderen GC“ nach Köln ziehen?
Wolfgang Marzin: Betrogen überhaupt nicht. Wir sind Messemacher und Leute, die für die gesamte Games-Branche zur Verfügung stehen, und Profis genug, um das nüchtern zu sehen. Wir halten diesen Umzug aber für völlig falsch eingefädelt, insbesondere nicht zum Vorteil der Gesamtbranche.
Krawall.de: Erläutern Sie das doch kurz: Was wurde falsch eingefädelt?
Wolfgang Marzin: Nun, Sie sind ja mit der Entwicklung der Games Convention vertraut: Von einer kleinen deutschen Messe hin zur vermutlich größten Branchenmesse für Spielesoftware in Europa, wenn nicht sogar weltweit. Man kann nun sicher über die Vor- und Nachteile eines jeden Standorts diskutieren – ich selbst kenne fast jeden Messestandort weltweit und könnte Ihnen dazu sicherlich genug erzählen. Aber man hört eben immer nur diese Standort-Diskussion. Was ich noch nie gehört habe, sind Stimmen gegen die Games Convention – also gegen das Konzept und die Marke. Mit diesem scheint jeder einverstanden zu sein. Wenn nun also die Industrie einen neuen Standort ausprobieren will, dann sollte sie das unbedingt tun, keine Frage. Aber warum wird hier alles aufs Spiel gesetzt, anstatt die wichtigen Fixsterne zusammen zu lassen und eben nur die Variable „Standort“ zu verändern und zu testen? Doch genau das passiert hier.
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Für Wolfgang Marzin wurde der Umzug der Spielemesse „völlig falsch eingefädelt“.
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Anstatt die hervorragenden Faktoren mitzunehmen, die sich als erfolgreich erwiesen haben, und mit ihnen ein paar neue Standorte zu testen, wird hier alles unnötig neu aufgesetzt und viel riskiert. |
Krawall.de: Nun hatte uns Olaf Wolters aber gesagt: „Wir hatten ja verschiedene Angebote gemacht, wie man mit Leipzig hätte weiter zusammenarbeiten können – auch in Köln. Da waren die Vorstellungen bedauerlicherweise so unterschiedlich, dass wir nicht zu einer Einigung kommen konnten.“Angebote, die Messe auch in Köln mit Ihrer Unterstützung auszurichten, scheint es also gegeben zu haben?
Wolfgang Marzin: Das waren keine Angebote, die auch nur annähernd sinnvoll gewesen wären. Die einhellige Meinung war: Das Angebot des BIU war völlig inakzeptabel und auch für die Branche nicht hilfreich. Unser Vorschlag war es, die Marke beizubehalten und dann einen anderen Standort auszuprobieren, wenn das die Aussteller denn wirklich wollen. Dann aber auf Grundlage einer europäischen Entscheidung und nicht allein aufgrund dessen, was der BIU will. Denn die Messe besteht schon seit Jahren rund zur Hälfte aus europäischen Ausstellern. Auch die Hälfte der Fachbesucher kommt aus dem europäischen Ausland. Wenn die Branche also mehrheitlich woanders hin möchte, kann man das machen. Das haben wir auch schon lange vor der Messe angeboten. Schon der Name „Bundesverband Interaktive Unterhaltung“ sagt ja: Das ist eine rein deutsche Organisation.
Krawall.de: Das bedeutet, wenn es darum gegangen wäre, die Games Convention nur an einen anderen Ort zu verlegen, mit der Leipziger Messe als Organisator, dann wären Sie dazu bereit gewesen? Das kam bei uns bisher anders an.
Wolfgang Marzin: Aber ja, genau ein solcher Vorschlag kam doch von uns. Wir haben dem BIU sogar angeboten, die Marke „Games Convention“ gemeinsam zu halten. Wir haben gesagt: „Ihr müsst euch ja nicht mal auf einen Standort festlegen, aber behaltet das Team und die Marke. Wir machen das gern auch woanders für euch. Ihr müsst aber eines tun, und zwar das Ganze nicht allein in einem Bundesverband entscheiden.“ Man hätte das einfach offen diskutieren sollen – auch mit anderen Kunden und vielleicht auch mal mit den Gamern selbst. Dann hätte am Ende ganz objektiv die Gesamtbranche entscheiden können. Das wäre viel sinnvoller gewesen, als nun das Rad neu zu erfinden und eine Marke neu einzuführen – auch Köln hat öffentlich-rechtliche Gesellschafter, ist also beileibe kein Goldesel, dem so was egal sein kann.
Krawall.de: Ist denn die Kritik an Leipzig als Standort berechtig?
Wolfgang Marzin: Nein. Wir hatten auch in diesem Jahr wieder einen guten Zuwachs. Auch in diesem Jahr ist niemand auf Fluglinien hängengeblieben und alle haben ein Hotelzimmer bekommen. Bei beiden Faktoren konnten wir sogar erheblich nachbessern. Ich finde einfach, wir müssen uns auch mal der Tatsache bewusst werden das wir – und mit „wir“ meine ich die ganze Branche – das wir hier eine Nummer Eins gezimmert haben, eine Messe für ganz Europa. Andere Länder, sogar andere Kontinente, beneiden uns darum. Mich fragen Leute aus den USA: „Wie kriegt ihr das hin in Europa“. Und damit meinen sie nicht „uns tolle Leipziger“, sondern die Leistung der ganzen Branche, die hier in Leipzig sichtbar wird. Nochmal: Warum wird das ohne Not aufs Spiel gesetzt indem man viel mehr Variablen verändert als nötig.
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