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KING’S BOUNTY: THE LEGEND

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990 gelang der US-amerikanischen Spieleschmiede New World Computing mit „King’s Bounty“ ein echter Meilenstein im Strategiegenre. Dabei handelt es sich nämlich um den Vorläufer der berühmten „Heroes of Might and Magic“-Reihe, die bis zum vierten Teil ebenso von New World Computing entwickelt wurde. 13 Jahre später musste das Unternehmen dicht machen, und die Rechte an den Marken wurden versteigert. „King’s Bounty“ landet letztendlich bei dem russischen Publisher 1C Company, der das Entwicklerteam Katauri Interactive an die Fortsetzung „The Legend“ ließ. Und diese gleicht in vieler Hinsicht Ubisofts vor zwei Jahren veröffentlichtem „HoM&M V“ bis aufs Haar. Uns soll’s nicht stören, denn keiner hat hier irgendetwas neu erfunden.

Mädchen für alles
Drei Heldenklassen stehen zur Auswahl, mit denen die komplette Kampagne bestritten wird: Krieger, Magier und Paladin. Erstere unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Stärken und Unzulänglichkeiten in Sachen Führungsqualität oder Auswahl an mächtigen Zaubern. Letzterer stellt die goldene Mitte dar, mit besonders güldenem Haar. Ganz klar also, dass für uns der Paladin als Avatar herhalten durfte. Allzu gewichtig ist diese Entscheidung allerdings nicht, da die anfangs fehlenden Talente der einzelnen Klassen im späteren Spielverlauf gelernt werden können. Die Klassen verfügen nämlich über drei identische Fertigkeitsbäume, mit denen sich der Held nach Belieben aufwerten lässt. Mit einer Handvoll Fußsoldaten an unserer Seite finden wir uns im Trainingslager des Königs wieder, in dem drei Prüfungen als Tutorial bereitstehen. Schon hier zeigt sich, dass sich „King’s Bounty: The Legend“ einer ganzen Reihe von Fantasyklischees bedient, die dann sogleich auf den Arm genommen werden. Der Titel nimmt sich nicht allzu ernst, was von Anfang an für einen gewissen Charme sorgt, der oft zum Schmunzeln einlädt und sogar einige echte Lacher hervorruft.
So gilt es gleich mal, eine schöne Prinzessin aus den Fängen eines bösen Drachen zu befreien, weil das einfacher gestrickte Volk so etwas nun mal erwartet. Doch handelt es sich dabei nur um eine Stoffpuppe, und der Drache verdient sich seine Brötchen damit, sich mehrmals am Tag eine überziehen lassen, damit angehende Ritter ein Erfolgserlebnis haben. Als Belohnung gibt’s auch kein holdes Weib, sondern eine schlichte Tonschale, die für einige Zeit die eigene Rübe schützen soll. So treten wir dann auch vor dem König an, der uns belustigt zum Schatzsucher ernennt - eine Tätigkeit irgendwo zwischen Steuereintreiber und Laufbursche. Das Abenteuer kann beginnen. Noch ist von Rundenstrategie noch gar nicht viel zu sehen. Vielmehr erinnert das Geschehen an ein Rollenspiel aus der Vogelperspektive.

Urkomische Ausrüstung
Anfangs hat unser Paladin noch eine Tonschale auf dem Kopf und rollt ein Wagenrad neben sich her.

Wir können uns frei und in Echtzeit durch die märchenhafte und liebevoll gestaltete Welt bewegen, mit NPCs plaudern und wirklich eine ganze Menge Quests abholen, bei denen es sich vorwiegend um Nebenaufgaben handelt, die mit der eigentlichen Story nichts zu tun haben. Die ist ohnehin weniger interessant als die vielen Problemchen, mit denen sich das Gesindel so herumschlagen muss. Kampflustige Pflanzen bedrohen die Ernte armer Bauern, ein Müller hat sich während seiner Nebentätigkeit als Grabräuber zum Zombie infizieren lassen, oder ein sprechender Stein macht die Magiergilde dafür verantwortlich, nur „halb verzaubert“ worden zu sein. All das fällt in unsere Kompetenz als königlicher Schatzsucher. Da packen wir nur selten die Schaufel aus, um nach echten Schätzen zu graben.

Battle Chess 3D
Das Herzstück von „King’s Bounty: The Legend“ sind natürlich die rundenbasierten Kämpfe, von denen man im Spielverlauf unzählige austrägt. Überall auf der Karte lauern und marodieren Trupps von Feinden. Außerdem werden Quests oft durch das Besiegen von teils gigantischen Endbossen abgeschlossen. Trifft man also auf Widersacher, wechselt das Spiel augenblicklich in ein Hexagon-Schlachtfeld mit etwa 50 Feldern, an dessen gegenüberliegenden Seiten die Feinde sowie die eigene Gefolgschaft aufgestellt werden. Der Held bleibt außen vor und kann lediglich Fähigkeiten und Magie wirken, seien es stärkende Segen, das Beschwören von Kampfeinheiten oder Schadenszauber wie Feuerbälle und dergleichen.

Zug um Zug werden die verschiedensten Einheiten bewegt und hübsch animiert zum Angriff getrieben. Zwar können nur fünf verschiedene Truppentypen der eigenen Armee angehören, doch es stehen etwa 60 zur Auswahl, die quer über die Kampagnekarte rekrutiert werden können. Bogenschützen, Vampire, Oger, Greifen, Einhörner, Riesenspinnen - so ziemlich alles, was sich in einer Märchenwelt rumtreibt, kann man kommandieren.

Dabei haben die Einheiten nicht nur verschiedene Attribute, Angriffswerte oder Aktionspunkte inne. Die meisten verfügen außerdem über besondere Talente, die während eines Scharmützels eingesetzt werden können. Fleischfressende Pflanzen vervielfältigen sich dann schon mal auf die Schnelle, ein andermal statten Schützen ihre Pfeile mit Feuer oder Eis aus. In den vielen Möglichkeiten, eigene Taktiken anhand der unterschiedlichsten Zusammenstellungen der Truppen zu entwickeln, liegt eine der großen Stärken des Spiels. Doch allzu sehr sollte man es mit dem Mix nicht übertreiben. Lässt man zum Beispiel Dämonen Seite an Seite mit Elfen oder Untote mit Menschen kämpfen, dann wirkt sich das auf die Moral und somit auf die Kampftauglichkeit der Einheiten aus.

Machtspiel
Während der Gefechte wirkt der Held nur durch Zauber und Stärkungen mit.

Für mehr Abwechslung während der Gefechte sorgen außerdem Schatztruhen, Boni oder Fallen, die zufällig auf den Schlachtfeldern platziert werden.

Nur selten geht es wirklich um das eigene Überleben. Die meisten Gefechte werden eher routinemäßig absolviert, mit dem Ziel, die Verluste so gering wie möglich zu halten. Schließlich kosten neue Truppen Gold. Dafür dauert eine durchschnittliche Schlacht kaum länger als zehn Minuten. Trotzdem hätte eine Schnellkampf-Funktion nicht geschadet, mit der sich der Ausgang eines Standardgefechts auch mal automatisch berechnen ließe. Es gibt lediglich die Möglichkeit, die eigenen Einheiten vom Computer steuern zu lassen und dabei zuzusehen. Als Belohnung für eine gewonnene Schlacht warten Beute und natürlich Erfahrungspunkte auf euch, die den Weg zur nächsten Stufe ebnen. Beim Aufstieg können neue Talente erlernt und Spezialisierungen auf Magieformen vorgenommen werden, zudem kann der Held mit der Zeit immer mehr Truppen befehligen.

Wie im Märchen
Ansonsten wollen die fünf Kontinente der Welt erkundet werden, Gutes soll vollbracht werden, und letztendlich gibt es immer noch einen neuen Auftrag des Königs, der euch auf die richtige Fährte führt – nämlich die, eine Konspiration gegen ihn aufzudecken. Im Gegensatz zur „Heroes of Might and Magic“-Reihe verzichtet „King’s Bounty“ komplett auf die Verwaltung eigener Städte. Diese könnt ihr lediglich besuchen, um Aufträge zu erhalten, eure Truppen aufzufrischen oder endlich mal eine für einen Schatzsucher angemessene Frau zu finden. Mit dieser kann sogar ein Kind gezeugt werden. Sehr romantisch, und Pragmatiker können sich auf einige Boni und zusätzliche Plätze im Inventar freuen. Gegnerische Helden, die ein eigenes Ziel verfolgen, sind nicht zu finden. Es gibt keinen konkreten Widersacher wie in vielen Szenarien von „HoM&M V“. Schließlich ist „King’s Bounty“ auch nicht in einzelne Level unterteilt; alles spielt sich in einer frei begehbaren Welt inklusive verschiedener Dungeons ab. Immer wieder lassen sich Parallelen zu Rollenspielen ziehen, und selbst einige Quests haben verschiedene Lösungswege.

Grafisch ist der Titel alles andere als ein Effektfeuerwerk. Das muss auch nicht sein, die Welt wartet mit vielen kleinen Details und Animationen auf, die deren Erkundung versüßen. Es wird ein stimmiges Gesamtbild mit satten Farben und leicht comicartiger Optik geboten. Der Schwachpunkt der Präsentation liegt lediglich im nahezu kompletten Fehlen einer Sprachausgabe. Gerade bei den vielen Quest-Beschreibungen und NPCs ist das etwas ärgerlich. Auch aufwändige Ingame-Zwischensequenzen oder gar vorgerenderte Szenen sind nicht dabei. Hier hatte Nival Interactive wohl deutlich mehr Budget für „HoM&M V“ zur Verfügung als Katauri für „King’s Bounty: The Legend“.

Dafür ist das Spiel hierzulande praktisch fehlerfrei auf dem Markt. Wir konnten keine Bugs oder Schwächen finden, die darauf hindeuten würden, dass „King’s Bounty“ noch unfertig ist. Das liegt allerdings auch daran, dass der Release in Russland schon vor knapp einem halben Jahr erfolgt ist und seitdem einige Patches nachgelegt wurden. An der deutschen Lokalisierung der Texte gibt’s nichts zu beanstanden.

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