in Zombie ist ja letztendlich nichts anderes als der typische Krawall-Redakteur: Er schlürft stöhnend durch die nächtlichen Straßen und präsentiert einen Schlafzimmerblick, der die meisten Damen nicht gerade zum Liebesakt animiert. Auch in Sachen Körperhygiene gibt es zahlreiche Parallelen zwischen Untoten und Spieleredakteuren, wobei wir an dieser Stelle zum Wohle unserer Leser nicht weiter ins Detail gehen wollen. Die Wesensverwandtschaft ist also offensichtlich. Grund genug für uns, jeden Titel, der auch nur im Entferntesten was mit den wandelnden Toten zu tun hat, genau unter die Lupe zu nehmen. Als vor einigen Tagen Valves „Left 4 Dead“ bei uns eintrudelte, stolzierten wir sabbernd und mit ausgestreckten Armen an die PCs und testeten den Zombietitel bis zum Hirntot. Hier das Ergebnis des blutrünstigen Festschmauses.
Eher für die hirnlose Masse ist die Geschichte des Spiels: Es gibt nämlich fast keine. Mit einer stilvollen Rendersequenz werdet ihr mitten ins gedärmreiche Geschehen geworfen und müsst an der Seite dreier Freunde ums blanke Überleben kämpfen. Am Leben zu bleiben ist gar nicht so leicht, denn Heerscharen von Zombies wollen euch ans Leder. Einziges Ziel jedes Kapitels ist es, einigermaßen unbeschadet den Schutzraum zu erreichen. Zur Truppe der vierköpfigen Helden gehören der großkotzige Angeber Francis, der Vietnamveteran Bill, der arbeitslose Junior-IT-Systemanalyst Louis und die attraktive Studentin Zoey.
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Gruselige Atmosphäre In den wenigen ruhigen Momenten lohnt sich der Ausblick – zumindest bis die nächste Zombiehorde angestürmt kommt.
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Diese Personenbeschreibungen stammen übrigens nicht aus dem handlungsarmen Spiel, sondern aus dem Handbuch. Weder über die Charaktere noch den Ursprung der Infektion erfährt man etwas. Geschichtenliebhaber mögen jetzt aufschreien und empört sein, aber die dürftige Story passt wie die Faust aufs Auge zum B-Movie-Charme von „Left 4 Dead“. Hier geht es nicht um eine wohl elaborierte Vorgeschichte mit tiefgängigen Beziehungsgeflechten à la Eric Rohmer, sondern um Zombies, Waffen, Blut und Gedärme wie in Lucio Fulcis Spaghetti-Splattern. Die Liebe der Entwickler zu derartigen B-Werken ist offensichtlich.
Zum Beispiel glotzt zu Beginn einer Kampagne die bis an die Zähne bewaffnete Heldentruppe vom Grindhouse-Filmplakat auf den Spieler herab. Wie in jedem Mitternachtskino um die Ecke läuft am Ende der Vorstellung sogar ein Abspann, der wichtige Fakten wie beispielsweise Trefferquoten präsentiert. Diesen Abspann zu Gesicht zu bekommen, ist leichter gesagt als getan, denn die Zombiehorden stürmen auf euch ein wie Muttis auf die Wühltische beim Sommerschlussverkauf. |
Neben den agilen Standard-Untoten gibt es noch vier spezielle Klassen der gehirnlosen Fleischliebhaber, in deren verfaulende Körper der Spieler im Multiplayer schlüpfen darf. Der Boomer erinnert an eine halbverweste Variante von Rainer Calmund und kann die Überlebenden ankotzen. Bekommt ein Teammitglied die grüne Gallenflüssigkeit ab, verschlechtert sich die Sicht des Spielers und Zombiehorden greifen ihn an. Der so genannte Smoker verfügt über eine lange Zunge, mit der er einen Helden an sich heranzieht, um diesen dann aus nächster Nähe mit seinen Klauen zu zerfleischen. Der Hunter kann überall lauern und springt seine Beute an wie ein tollwütiger Frosch.
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Tollwütiger Frosch Der Hunter ist unglaublich agil. Wer ihn erwischen will, muss über ein schnelles Reaktionsvermögen verfügen.
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Der Tank ist der kräftigste von allen und erinnerte uns an die Hulk-Variante eines Zombies. Er kann am meisten Bleikugeln wegstecken, teilt ordentlich mit seinen Fäusten aus und wirft mit Gesteinsbrocken nach den Überlebenden. Die einzige nicht spielbare Klasse stellt die Witch dar. Sie gammelt deprimiert in dunklen Ecken rum und lässt ein markerschütterndes Geheul von sich. Wer das hört, sollte schleunigst die Taschenlampe ausschalten und an der Frau vorbeischleichen. Denn wenn die Dame in ihrer depressiven Phase gestört wird, läuft sie kratzend und beißend Amok wie Naomi Campbell.
Waffen und Teamwork
Um es mit all diesen stinkenden Gegnern aufzunehmen, gibt es zahlreiche Waffen. Zum Arsenal gehören die obligatorische Schrotflinte, ein M16-Gewehr, ein Scharfschützengewehr, Rohrbomben, Granaten, eine Uzi und Pistolen. Nur das letztgenannte Schießeisen hat unendlich Munition. Um Verletzungen zu heilen, stehen euch Pillen und Medipacks zur Verfügung, die sich stets im Schutzraum befinden und recht knapp bemessen im Level verstreut sind. Bei zu niedriger Energie müsst ihr des Öfteren an das Samariterherz der Mitspieler appellieren. Wer die Kampagnen alleine in Angriff nimmt, kann auf zuverlässige KI-Kameraden zählen. Die virtuellen Mitstreiter ballern euch lästige Zombies vom Leib, heilen euch und tun sonst auch alles in ihrer Macht stehende, um euer Überleben zu sichern.
Die Zombies verhalten sich nicht gerade nach den typischen Mustern des New-Hollywood-Horrorfilms. Sie können blitzschnell umschalten vom angestaubten Untoten, der debil in der Ecke rumsteht wie ein bekiffter Teenager, zum sportlichen Sprinter, der wild gestikulierend drauflos rennt. Die Horden klettern Wände hoch und erklimmen somit selbst die höchsten Punkte. Das sorgt für eine konstante Anspannung während des Spielens. Nirgendwo kann man sich wirklich sicher fühlen, denn an allen Ecken lauern Gefahren. Dafür sorgt auch der KI-Director, der nicht nur die Stärke der Zombiewellen verändert, sondern sie auch stets an anderen Stellen platziert. Dadurch hat man nie das Gefühl, ein und dieselbe Spielsituation zu erleben. Als wir gegen Ende eines Kapitels das Zeitliche segneten, wurden wir an den Anfang des Levels zurückgeschleudert.
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