er kennt das nicht? Man ist ein unglücklich verliebter Nerd im Naturkundemuseum, als eine Spinne sich von der Decke abseilt und zubeißt. Ab sofort verspürt man den Drang, sich in ein hautenges Spandexkostüm zu zwängen und an der Decke entlangzukrabbeln. Wenn man darüber nachdenkt, ist es eigentlich kein Wunder, dass Matt Groening für „Die Simpsons – Der Film“ das Spiderschwein schuf. An der Popularität des Marvel-Helden ändert das natürlich nichts, und so ist der dritte Kinofilm von Sam Raimi zugleich die bisher erfolgreichste Spider-Man-Veröffentlichung. Als wäre es ein Naturgesetz, folgte ein Konsolenspiel, das nur marginal mit der Handlung des Filmes verknüpft war. Eines haben „Spider-Man 3“ und „Web of Shadows“ aber auf jeden Fall gemeinsam: Peter Paker wechselt modisch von Rot nach Schwarz und ändert damit auch seine Charakterzüge.
Hier häng' ich rum!
Doch beginnen wir mit der Anfangssequenz: Spider-Man schlendert, begleitet von trauriger Musik, geknickt über die Dächer Manhattans, während um ihn herum die Welt untergeht. Symbionten greifen New York an, und die massenhaft aufgelaufenen Ordnungshüter verlieren die Kontrolle. Wie konnte es nur so weit kommen? Die Antwort lautet lapidar: Frauen.
Es gibt wie immer Probleme mit Spider-Mans Psyche und seiner Beziehung zu Mary Jane. Wie es dazu kam? Das muss der Spieler selbst herausfinden, denn nach einem kurzen Schnitt findet man sich im Tutorial wieder und könnte eigentlich locker in Manhattan abhängen, wenn da nicht diese nervigen Symbionten wären. Die haben nichts Besseres zu tun, als Stress und Hektik zu verbreiten, indem sie New York mit schwarzen Gespinsten überziehen. Netze über der Stadt? Schon seltsam, dass die Einwohner Spider-Man zusehends skeptisch gegenüberstehen. Dabei hat der Spieler es in einem recht eingeschränktem Maße selbst in der Hand, wie die Geschichte sich entwickeln soll.
Immer wieder stößt man auf Situationen, in denen Entscheidungen anstehen. Sind wir die nette Spinne vom Dachboden nebenan oder die rachsüchtige schwarze Witwe, die ihren tödlichen Biss platzieren möchte? Diese Schizophrenie kennen wir doch irgendwoher?
Schwarz oder Rot?
Genau wie in der Politik und wie im letzten Spielfilm kann Spider-Man seine Arbeitskluft wechseln – und zwar jederzeit. Als rotem Retter der Massen jubeln ihm die Passanten zu, und seine Absichten können kein Wässerchen trüben.
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Hängepartie Das Gameplay von „Web of Shadows“ ist rasant und hält verschiedene Lösungswege parat, offenbart aber auch deutliche Schwächen.
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Im Dress des düsteren Rächers hingegen verbreitet er Angst und Schrecken, die Menschen gehen sogar in Deckung, sobald er auf der Bildfläche erscheint. Ein sehr weises Verhaltensmuster übrigens, denn der böse Spinnenmann kann Autos hochheben und auf seine Gegner werfen.
Überhaupt ist es die Entscheidung, böse oder gut zu sein, die das Spielgeschehen bestimmt. Zwar kann man sich in seiner Freizeit nach Lust und Laune durch Manhattan schwingen und nebenbei Katzen über die Straße helfen oder alte Omas von Bäumen retten, wer sich an die Missionen hält, muss sich jedoch arg einschränken. Ansonsten bekommt man den Ladebildschirm unfreiwillig oft zu Gesicht. |
Nach jeder erfüllten Aufgabe und durch eingesammelte Spinnensymbole erhält unsere Spinne Steigerungspunkte, die für neue Kampfmanöver oder anforderbare Gefährten ausgegeben werden können, wobei der rote und der schwarze Anzug die beiden unterschiedlichen Seiten der Macht markieren. Möchte man spontan die Seiten wechseln, kann man seine Fähigkeiten gegen die Punkte umtauschen und neu verteilen – eine nette, aber inkonsequente Geste.
Gepflegte Langeweile
Die eigentlichen Missionen gleichen sich leider allzu häufig wie ein Silikonimplantat dem anderen: Verprügle entweder Symbionten oder Gangmitglieder - das war es auch schon. Ok, manchmal muss Spider-Man Verfolgungsjagden durchstehen, um hinterher Gegner zu verprügeln, oder er drischt nur auf einen Gegner ein, der dafür ein besonders mächtiger Boss ist.
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Fehlgriffe Die Grafik von „Web of Shadows“ ist insgesamt schwach. Verpatzt wurde auch die deutsche Synchro von Peter Parker.
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Venom und seine Gefährten, bekannt aus Film und Fernsehen, lassen sich übrigens idealerweise im schwarzen Gewand mit Autos bewerfen - ein unschlagbares Erfolgsrezept, mit dem der rote Spider-Man nicht mithalten kann. Die Kämpfe gegen normale Gegner werden schnell langweilig. Zwar vergrößert sich das Repertoire der Kampfkünste stetig und Kombos sorgen für flüssig aneinandergereihte Animationen, zum Sieg reichen allerdings einige Grundmanöver vollkommen aus. An dieser Tatsache ändert sich auch dadurch nichts, dass unser arachnophiler Held erstmals auch an Wänden kämpfen kann. Lediglich die Perspektive kippt und verwirrt den Spieler in den ersten Sekunden. Egal ob auf dem Boden, an der Wand oder in der Luft, die Gegner haben die durchschnittliche Intelligenz eines Strohballens und reagieren mitunter nicht einmal auf unsere Anwesenheit.
Ein Faden ins Nichts
Natürlich gehört „Abseiling“ zu Spider-Mans favorisierten Freizeitbeschäftigungen, aber im Fall von „Web of Shadows“ ist ein flüssiger Flug über den Verkehrsadern des Big Apple nicht alles. Zwar muss der Spieler ein wenig zielen, um seine Route durch die Stadt festzulegen, trotzdem enden die Fäden allzu oft im blauen Himmel. Praktisch am und im Nichts hängend tritt die Spinne so in Konkurrenz zu Superman. Klar wäre es ziemlich anspruchsvoll, immer ein Ziel zum Schaukeln vor Augen haben zu müssen, allerdings wäre es auch sehr viel realistischer. Apropos Wirklichkeitstreue: Etwas mehr davon hätte der Grafik nicht geschadet! Neben den völlig matschigen Gebäudetexturen häufen sich Fehler wie Passanten, die im Vorbeiflug ihre Gestalt verändern. Gepaart mit den immer gleichen Kampfmanövern ergibt sich so eine grafische Einöde, die auch von Besuchermagneten wie der Brooklyn Bridge oder dem Daily-Bugle-Gebäude nicht durchbrochen werden kann. Um das Technikdesaster zu komplettieren, ist die deutsche Synchronisation meilenweit von den Kinofilmen entfernt und wirkt schlichtweg unpassend. Immerhin lässt sich das Spiel auf englische Sprache umschalten, und letztendlich ist es die Story, die an den Monitor fesselt.
Leider merkt man „Web of Shadows“ seine Konsolenherkunft zu sehr an; es gibt einfach zu viele handwerkliche Fehler, über die man nicht hinwegsehen kann. Die Menüs muss man per Pfeiltasten oder Gamepad durchscrollen, eine Mausunterstützung sucht man vergeblich. Im Spiel hingegen wird die Maus zur Steuerung der Perspektive und für die Basismanöver eingesetzt, die Kombination aus Nager und Tastenbrett hat allerdings gegenüber dem Gamepad, für das das Spiel offensichtlich konzipiert wurde, das Nachsehen.
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