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WORLD OF WARCRAFT: WRATH OF THE LICH KING

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E

s ist der Erfolg, über den die Welt spricht und die Konkurrenz verzweifelt: „World of Warcraft“, unter den Onlinerollenspielen so erfolgreich wie die Bibel und Harry Potter zusammen, kriegt ein weiteres Add-On spendiert. „Wrath of the Lich King“ heißt das gute Stück und dürfte dem neuen Publishing-Monster Activision Blizzard genug Geld in die Kassen spülen, um gleich noch zwei Mal zu fusionieren. Die Frage war also nicht, ob sich die Spielerweiterung gut verkauft, sondern nur noch, wie schnell. Um diese Frage zu beantworten und weil es inzwischen so was wie eine vorweihnachtliche Tradition bei uns ist, entsandten wir erneut zwei Redakteure zum Mitternachtsverkauf von „World of Warcraft“. Nicht zum großen Schicki-Micki-Verkauf in Berlin, wo Activision Blizzard erneut die größt, innerdeutsche Raid-Instanz für willige Erstkäufer instanziert hatte. Nein, wie schon bei „The Burning Crusade“ haben wir uns für euch zu unseren beiden Media-Bench-Märkten begeben, um dort die Lage zu checken.

Während Chefredakteur André Peschke sich bei Mitternachtsverkauf-Pionier Ferdinando Russo in Stuttgart-Vaihingen die Beine in den Bauch stehen durfte, zitterte Kollege Nils Ehring vor dem Media Markt in Viernheim bei Mannheim, wo Software-Abteilungsleiter Patrick Wolf versuchte, die Festung bis um Mitternacht zu halten. Wir schalten live zurück in der Zeit zu den beiden Korrespondenten.

21 Uhr, Vaihingen
Es gibt Dinge, die ändern sich nicht. Zum Beispiel die Tatsache, dass Blizzard die Veröffentlichung seines neuen Add-Ons scheinbar anhand eines geheimen Supercomputers plant, der Temperaturstürze bis zu drei Monate in der Zukunft verlässlich vorhersagen kann. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich mir schon auf den ersten hundert Metern wieder die Griffel abfriere. Hätte ich meine Hände nicht längst versichern sollen, wie dieser Star-Chirurg, der sie sich dann absichtlich mit der elektrischen Heckenschere abgetrennt hat, um den Vorruhestand weich auszupolstern? Könnte ich mir neben den Raten für eine solche Police dann noch ein „WoW“-Abo leisten? Mehr scheint man ja für das Altenteil ohnehin nicht zu brauchen, wenn ich den Aussagen manches Blizzard-Fans glauben darf. Aber all das ist gerade egal. Was sich nämlich ebenfalls nicht ändert, ist, dass ich vergesse im ICE aufs Klo zu gehen. Und in der S-Bahn ist dann nix mehr mit austreten. Okay, da standen ein paar leere Bierflaschen an meinem Platz. Aber über diese Option hab ich wirklich nur kurz nachgedacht.

Ein paar hundert Meter und eine Muskelzerrung später bin ich dann am Media Markt in der Schwabengalerie. Ein warmes Gefühl umfängt mich. Nein, nicht wegen meiner Sextanerblase.

Mitternachts-Dealer
Ferdinando Russo (3. von links) zusammen mit seinen Kollegen vom Media Markt Vaihingen nach den Aufbauarbeiten.

Unser traditioneller Referenzmarkt fürs Mitternachtsshopping ist schlicht in einem großen Einkaufszentrum untergebracht. Das hat am Abend brav seine Klima-Anlage abgeschaltet und wurde in der Zwischenzeit von den anwesenden Zockern und gefühlten zweitausend Lampen auf angenehme Terrarium-Temperaturen hochgeheizt. Für den Augenblick gefällt mir das sehr gut. Die Finger der linken Hand lassen sich jetzt wieder unter Schmerzen bewegen. In dieser Hand habe ich rund 1000 KOINS-Karten mitgeschleppt, die später den „Lich King“-Add-Ons beiliegen sollen. Ich liebe die Ideen aus dem Marketing. Hoffentlich auch die Jungs vom Media Markt. Die wissen noch gar nichts von ihrem Glück.

Vor dem Rolltor warten derweil die ersten rund fünfzig Fans. Kein schlechter Wert eigentlich. Der harte Kern ist noch nicht weich geworden.

22 Uhr, Vaihingen
Ich bin aufgewärmt, mein Laptop ist abgestellt, die ersten „Vorher“-Fotos vom Aufbau sind gemacht. Jetzt noch ein paar Interviews, dann eine Stunde Füße hochlegen und danach Fotos machen. Das Leben des Redakteurs kann so einfach sein. Oh, Moment … Interview. Um 22 Uhr habe ich den Kollegen von Giga ja noch ein Telefon-Interview zum Thema „Spielemessen“ zugesagt. „Kein Problem“, denke ich, „ich geh einfach kurz zu den Waschmaschinen, da ist es ruhig“. Ist es wirklich. Kein Gequatsche, den ewig nudelnden „Lich King“-Trailer hört man auch nicht mehr, und es klingeln keine Handys. Letzteres liegt vermutlich daran, dass der Handyempfang hier in etwa so gut ist wie in einem Atom-U-Boot auf Maximaltiefe. Also rausgehechtet, Handy zur Netzsuche gezwungen, und buchstäblich drei Sekunden vor dem Anruf der Kollegen aus Köln bin ich einsatzbereit. Fantastisches Timing.

Keine Wechselstimmung
Tim, Robert und Manu (von re. nach li.) haben schon andere MMOs ausprobiert und kamen dennoch immer wieder zu „WoW“ zurück.

Im Vorhof zur Schwabengalerie, hinter dem Plastiklöwen eines Chinarestaurants, hoffe ich, dass keine grölenden „WoW“-Horden während des Interviews vorbeiziehen und dass man mir nicht anhört, dass ich gegen Ende wieder kurz davor bin, als Urmel im Eis zu enden. Da bekommt der Begriff „Zitterpartie“ einen ganz neuen Klang! Drinnen sind’s inzwischen um die hundert Leute, die sich eindeutig für „Tor 1“ entschieden haben und sich vermutlich durch keinen Umschlag der Welt mehr davon abbringen lassen. Zur Unterhaltung wird über die Anlage der Schwabengalerie der „Lich King“-Soundtrack gespielt. Der ist aber so leise, dass ich und die meisten anderen das nur wissen, weil die Jungs vom Media Markt es uns gesagt haben. Dafür werden direkt am Eingang deutlich sichtbar Essen und Getränke verkauft. In den vorderen Reihen kursieren Bierdosen. Das lässt den Sensationsreporter hoffen. Tobt in zwei Stunden am Ende ein angetrunkener „WoW“-Mob durch den Laden? Werden mich morgen weinende Angehörige um die letzten Bilder von ihrem Johannes „vor der Sache da“ bitten? Schon im letzten Jahr kamen ein paar der ursprünglich unversehrte Mitternachtskäufer mit blauen Flecken am anderen Ende der Kasse heraus. Ich speichere noch mal die Rufnummer für „BILD“-Leserreporter ins Handy und schnappe mir die ersten „WoWler“ zum Interview.

Die Herren, die sich zuerst vors Mikro trauen, sitzen als entspannte Gruppe rechts neben dem Eingang: Tim, Rober und Manu sind schon seit halb Neun auf Posten. Mittlerweile haben sich die Reihen neben ihnen zwar geschlossen, Angst um ihre Plätze haben sie trotzdem nicht. „Wir drängeln uns schon durch“, sagt Robert, der wie Tim und die meisten anderen Frühstarter wegen einer Collector’s Edition hier ist. Alle drei sind Veteranen der ersten Stunde und haben auch schon andere MMOs ausprobiert – nur um schnell wieder in die liebenden Arme von „WoW“ zurückzukommen. „Das Spiel läuft inzwischen einfach so rund. Auf die Kinderkrankheiten der anderen Spiele hab ich einfach keine Lust mehr“, berichtet Manu von seinen vereinzelten Seitensprüngen. „Ich habe ,Herr der Ringe Online’ zwei Tage ausgehalten, dann war Schluss“, bekräftigt auch Tim, „die Freundesliste, die ich mir in ,WoW’ aufgebaut habe, ist mir auch einfach wichtig“. Mit ihm haben die drei einen echten Veteranen in ihren Reihen. Er war schon beim Mitternachtsverkauf von „The Burning Crusade“ dabei und konnte auch damals ein Exemplar ergattern. Die rund 150 Käufer, die ohne Spiel abziehen mussten, waren ihm dennoch ein Signal, dieses Mal wieder ein wenig Sitzfleisch zu investieren.

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