anchmal sind es die kleinen Dinge, die einem besonders im Gedächtnis bleiben. Die meisten großen Titel der Games Convention huschten an uns vorbei wie die Partys, die wir verpassten, weil wir mit Kaffee und Kippen zum Abendessen im Hotelzimmer vor unseren Laptops saßen (Schluchz!). Unter den zahlreichen Fortsetzungen und hoch budgetierten Spielen mit bombastischer Grafik glitzerte eine Perle, die es uns besonders angetan hat: „World of Goo“. Mit etwas Nachdruck mussten wir den Herren bei RTL Games deutlich machen, dass wir einzig und allein wegen des Puzzlespiels gekommen waren. Verständnislos wurden wir in einen kleinen Raum geführt. Dort empfing uns ein netter Kerl mit Mütze, der trotz Jetlag ein Dauergrinsen auf dem Gesicht hatte. Kyle Gabler, ehemals tätig für EA und jetzt die zweite Gehirnhälfte von 2D Boy, drückte uns einfach die Wiimote in die Hand und forderte uns auf loszulegen. In der PC-Fassung des Spiels konnten wir leider nur sehr kurz rumschleimen.
Bevor es losging, wollten wir natürlich etwas zur Story wissen. Gabler lachte nur und antwortete: „So etwas wie eine Handlung gibt es nicht. Zwar bietet das Spiel einige Andeutungen diesbezüglich, wird aber nie wirklich explizit.“ Bei einem Rollenspiel hätte uns diese Antwort sicherlich nicht zufriedengestellt, aber bei einem Puzzlespiel kann man eine derartige Handlungsarmut schon durchgehen lassen. Der Titel ist aufgeteilt in fünf Kapitel, von denen vier nach den Jahreszeiten gestaltet sind. Hier hört der Bezug zur realen Welt aber schon auf, denn „World of Goo“ hat ungefähr so viel mit der Wirklichkeit zu tun wie Tom Cruise mit wissenschaftlich fundierten Glaubensgrundsätzen.
Niedliche Schleimer
Dafür lassen sich wenigstens Bezüge zu Klassikern wie „Lemmings“ und „Bridgebuilder“ herstellen. In der Spielwelt müssen nämlich häufig Brücken gebaut werden, um eine vorgegebene Anzahl schleimiger Goo-Kügelchen in eine Röhre zu führen. Dabei gilt es Dornen, Schluchten und kleine Berge zu überwinden. Als wenn das noch nicht genug wäre, kommt noch das Gesetz der Schwerkraft dazu und macht die Angelegenheit wesentlich komplizierter. Die Goos sind übrigens selbst Bestandteil der Konstruktionen und müssen über diese ans Ziel geleitet werden.
Die kleinen Schleimer brauchen natürlich jemanden, der sie leitet. Eigentlich ist es genauso wie in der Krawall-Redaktion, in der unser Meister André das Zepter in der Hand hält. Der kaulquappenartige Goo-Guru ähnelt ihm sogar ein bisschen – natürlich im positiven Sinn. Mit Hilfe der Wii-Fernbedienung konnten wir ihn sogar bewegen. Das Anwählen der Untertanen erfolgt mit der A-Taste. Mehr als die Wiimote braucht der Spieler also nicht, um die abgedrehte Welt der Goos zu beeinflussen. Am PC geht die Steuerung genauso leicht vonstatten. Per Maus und linker Taste lässt sich der Gruppenleiter steuern. Diesen dirigierten wir in der ersten Mission selbst und konnten uns von seiner leichtgängigen Handhabung in Sekunden überzeugen.
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Witziges Getier An skurrilen Formen und Ideen mangelt es „World of Goo“ auf keinen Fall. Dabei bleibt der Titel stets abwechslungsreich.
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Über eine kleine Schlucht mussten wir die Goos an ihr Ziel führen. Um zwei neue Streben der Konstruktion hinzuzufügen, zieht man einfach eines der Schleimviecher etwas zur Seite. Auf diese Weise entsteht ein dreieckiges Glibber-Gebilde. So lässt sich Stück für Stück eine Struktur erschaffen, die den Abgrund überspannt. Schwieriger wird es jedoch, sobald die Konstruktion eine gewisse Länge erreicht hat. Dann macht sich nämlich die gute Spielphysik bemerkbar und zieht die Konstruktion langsam und realistisch dehnend zu Boden. |
Derartigen Durchhängern konnten wir entgegenwirken, indem wir mit dem Goo-Anführer Ballons an der Brücke montierten, die für die nötige Stabilität sorgten. Von den fliegenden Gas-Kugeln gibt es stets genug in den Spielabschnitten. Falls welche der Ballons an Dornen zerplatzen, tauchen regelmäßig immer wieder neue auf.
Wenn einige der Kameraden zu Boden fallen und sterben, kann der Spieler diesen Prozess stets rückgängig machen. Er muss dazu jedoch keine Knöpfchen drücken, sondern einfach auf eines der Insekten klicken, die in der Umgebung herumschwirren. Eine interessante Variante, um das Interface direkt ins Spiel zu integrieren. Mit dem Klick aufs Insekt springt „World of Goo“ einfach an einen früheren Zeitpunkt des Spielabschnitts. Natürlich müsst ihr im Verlauf der Kampagne nicht nur horizontal, sondern auch vertikal bauen.
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Wasser-Goos Eine der andersartigen Goo-Rassen: die Wasser-Schleimer. Diese sind schwerer und können nur eine Strebe erzeugen.
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In einer späteren Mission türmten wir die Goos übereinander und geleiteten die sympathischen Kerle durch eine mit Dornen gespickte Schlucht. Hier machten wir Bekanntschaft mit einer speziellen Gattung der Schleimer: den Wasser-Goos. Mit ihnen lässt sich dem Gebilde immer nur eine Strebe hinzufügen, zudem sind sie etwas schwerer als die Normalos. Erneut kann man der Schwerkraft eins auswischen, indem man die Konstruktion mit Ballons stabilisiert. Im weiteren Spielverlauf tauchen noch weitere andersartige Goos auf. Wir erspähten zum Beispiel explosive Schleimer, die bei der kleinsten Berührung mit Feuer in einer Kettenreaktion detonierten.
Explosiv ging es dann im Koop-Modus weiter. An der Seite von Kyle Gabler schwangen wir die Wii-Fernbedienung und bauten, was das Zeug hielt. Bis zu vier Spieler dürfen an Nintendos Konsole phantasievolle Gebilde kreieren und die Goos zum Ziel führen. PC-User können leider nur allein den Baumeister spielen. Schade, wir hätten zu gerne große Lan-Partys gesehen, bei denen einhundert Leute gigantische Konstrukte aus dem Boden glitschen. Je mehr Tüftler an einer Struktur herumbasteln, desto schwieriger wird die Angelegenheit. Wer einfach nur rücksichtslos baut, anstatt sich mit den anderen Spielern zu koordinieren, dürfte schnell die Auswirkungen der Schwerkraft zu spüren bekommen und seine Goos verlieren. Um erfolgreich zu sein, ist definitiv Teamwork angesagt.
Wer hat den Längsten?
Ganz alleine können die Goo-Meister sich im Onlinemodus messen. Hier trifft man sich in der so genannten World of Goo Corporation. Dort lassen sich die in der Kampagne geretteten Schleimbeutel zu einem gigantischen Turm zusammensetzen. Im Hintergrund sind die Gebäude der Konkurrenz zu sehen, die es zu schlagen gilt. Wer den höchsten hat, übernimmt die Spitze in der Weltrangliste.
Spitzenmäßig ist übrigens auch das Design von „World of Goo“. Der abgedrehte Comic-Stil passt einfach perfekt zum verrückten Spielprinzip. Die Physik-Engine erzeugt einige wirklich realistische Bewegungen der Konstruktionen und sorgte bei uns für wasserfallartige Schweißausbrüche. Die abwechslungsreichen Spielabschnitte waren untermalt von unterschiedlichen Musikthemen. In unsere verkrusteten Ohren drang eine musikalische Bandbreite, die von lauter Zirkusmusik bis zu ruhigen Orchesterklängen reichte. Die Goos quietschten und fiepten im Hintergrund wild durcheinander.
Wild wurden wir schließlich auch an den Haaren aus dem RTL-Stand gezogen, denn wir wollten einfach nicht aufhören an den Schleimern herumzufummeln. Nun müssen wir uns wohl noch bis zum ersten Quartal des nächsten Jahres gedulden, bis wir endlich wieder „World of Goo“ betreten dürfen. Es wird eine harte Zeit, denn das Spiel hat uns schon jetzt süchtig gemacht.  |